Das Herz im Spiegel

Donnerstag, September 28, 2006

Abschied kann so schön sein...

Meine erste mündliche Prüfung ist rum *ganzerleichtertaufatme*.
Ergebnis: 2 *freu* Ist also ganz gut gelaufen. Zum Thema "Intelligenz" hat mich meine Prüferin allerdings etwas gefragt, was ich schlichtweg nicht gelernt hatte. *ups* (Wie war das doch gleich mit Sternberg und dem Faktor "G"???)
Aber: Ich habe es überlebt!!! Und Psychologie wird jetzt ganz schnell ad acta gelegt! Also...


Tschüß, Sternberg, Gardner und Catell!
Ciao, kristalline und fluide Intelligenz!
Good bye, sensorische Register, ikonische Erinnerungen und semantische Enkodierung!
Servus, Durchführungsobjektivität, Konstruktvalidität und Gauß'sche Glockenkurve!
Macht's gut, Performanzkomponenten, Mnemotechniken, und Metakognition!
Es verabschieden sich mit euch: Gage/Berliner, 123 Karteikarten und ein dicker Ordner mit Literatur, Zusammenfassungen und Notizen! Auf Wiedersehen! Oder besser gesagt: Lebt wohl!!!

Dienstag, September 26, 2006

(Schwieger-)Mütterliche Fürsorge

Ich: "Gestern Abend hatte ich einen richtigen Panikanfall. Ab 18°° Uhr fing mein Herz plötzlich an ganz wild zu schlagen. Ich konnte mich auf nichts mehr konzentrieren. Und von 19°° bis 23°° Uhr hab' ich schließlich fast nur noch geheult."

Meine Mutter: "Der arme Andreas!"

Anmerkung: Andreas hatte Spätschicht!!!

Dienstag, September 19, 2006

Von Märchen, Mentos, Kalendersprüchen und Postkarten

Geschafft! Die Klausur liegt hinter mir. Bin total froh, erleichtert, müde, leer, erledigt, glücklich und beschenkt. Hatte bis jetzt einen äußerst interessanten Tag...

4°° Uhr: Bin hellwach. Stehe aber erst um viertel vor fünf auf, dusche in aller Ruhe, packe meine Sachen, gehe meine Lernkarten nochmal durch und frühstücke, weil ich entgegen aller Erwartungen einen Bärenhunger habe.

8:15 Uhr: Gießen. Während ich auf meine Freundin warte, muss ich plötzlich an den Monatsspruch denken, der auf unserem Kalender steht. Hatte ihn Anfang des Monats erwartungsvoll gelesen: „Wo Gott in der Mitte ist, da kehrt Ruhe ein.“ Alles klar! Ich und Ruhe?! Soll wohl ein Scherz sein! Fragte mich, wie Gott das wohl hinbekommen will… Aber… tatsächlich: Ich hab’ mich bei einer Prüfung noch nie so ruhig und gelassen gefühlt wie in diesem Augenblick! Welch ein Geschenk!

8:25 Uhr: Ich steh vor’ m Hörsaal A2, umgeben von lauter Studenten, deren Gesichtsausdruck Bände spricht und der mir nur zu bekannt vorkommt, weil ich ihn seit Wochen jeden Morgen im Spiegel begrüße. Man tauscht sich aus und stellt fest, dass jeder am Vorabend die gleichen Anrufe erhalten hat: „Das haben schon ganz andere geschafft! Mach dich nicht so verrückt! Du schaffst das!“ Ob wir wohl alle die gleichen Freunde haben? Bin plötzlich unsagbar dankbar für all die lieben Menschen, die jetzt an mich denken und für mich beten.
Na ja, und weil wir alle kurz vor einer Prüfung stehen – Eine Erfahrung, die verbindet! – drückt man plötzlich Menschen, die man eigentlich gar nicht kennt und spricht und lächelt jedem Mut zu, dessen Blick man einfängt. Man hat den Eindruck als schwebe hoch über uns eine einzige kollektive Denkblase. Wir denken alle das Gleiche.

8:52 Uhr: „Christine Eckel!“ Ich werde aufgerufen. Es wird ernst. Bin ruhiger als jemals zuvor. Endlich geht’s los. Ich betrete den Hörsaal, in dem ich die nächsten vier Stunden wie besessen schreiben werde, und begehe den Ort hinter dem roten Schild „Bitte Ruhe! Prüfung!“, vor dem man schon so oft ehrfürchtig gestanden hat.

9:05 Uhr: Start. Alle öffnen ihre Unterlagen und ich entdecke, dass mein Thema – Märchen – drankommt. Jippie! 30 Minuten lang sammle ich mich, meine Gedanken und zeichne mir kurz eine Skizze mit den wesentlichen Punkten und einer Zeiteinteilung auf, an der ich mich in den folgenden Stunden orientieren werde. Mein Zeitplan geht natürlich nicht auf. Ansonsten klappt es ganz gut. Ich schreibe wie besessen, krampfhaft und ohne Pause. Ich denke nicht an Rechtschreibung, Satzstellung, Formulierungen und leserliche Schreibweise. Es ist ein Schreibmarathon, ein Versuch, die Zeit zu überholen.

13:05 Uhr: Abgabe. Drücke der Aufseherin 26 Seiten in die Hand, wobei nicht alle komplett beschriftet sind. Hab’ teilweise viel Platz gelassen. Wahrscheinlich bleiben insgesamt circa 20 Seiten übrig. Meine Nervennahrung, die aus zwei Flaschen Traubenschorle, einem Käsebrötchen, Schokolade und Traubenzucker besteht, packe ich ungenutzt wieder ein. Alles, was ich zwischendurch gegessen habe, waren ein paar Mentos. Für mehr war kein Bedarf und keine Zeit. Als ich endlich aus dem Hörsaal stolpere, fühle ich mich wie in Trance, mein Nacken tut weh und meine Finger fallen mir fast ab.

16:15 Uhr: Wieder zu Hause. Auf dem Tisch liegt eine Postkarte von Eckels aus Gossfelden:

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Wie wahr! Fühl mich reich gesegnet. Danke, Herr, für alles!

Montag, September 18, 2006

Das große Kribbeln

Hmm… So fühlt sich das also an! Stehe jetzt wirklich und wahrhaftig UNMITTELBAR vor’m Examen! Dachte bisher irgendwie immer, dass ich 11 Stunden vor dem Beginn der ersten Prüfung völlig am Rad drehe und jetzt ist das einzige, was mich wirklich beunruhigt, die Tatsache, dass ich so ruhig bin. Ich hab’ mir das irgendwie spektakulärer vorgestellt… Und jetzt? Spüre nur schon den ganzen Tag dieses leichte Kribbeln in der Magengegend... Hatte heute mal kurzfristig den erschreckenden Verdacht, dass ich nichts mehr weiß, aber es hat sich glücklicherweise herausgestellt, dass das nicht ganz der Wahrheit entspricht... Ich freu’ mich einfach, wenn’s endlich rum ist. Morgen um viertel nach 1 gibt es ein erstes großes Aufatmen (Hoffentlich!) und dann sind es nur noch 7 Prüfungen… Hoffe so sehr, dass Märchen - mein Favoritenthema für die Klausur - dran kommt…

Samstag, September 16, 2006

Aus und vorbei!

Krise überwunden! Die nagenden Zweifel an der Richtigkeit meiner Berufswahl, die mich in den letzten Monaten immer wieder attackierten, sind wie weggeblasen. Als ich gestern Morgen aufgewacht bin, war mein erster Gedanke: Juchuh! Bald gehe ich (wieder) in die Schule und unterrichte eine richtige Klasse mit richtigen Kindern! *freu* Bin seit diesem Moment plötzlicher Klarsicht total erleichtert, inspiriert und voller Vorfreude. Hoffentlich bekomme ich eine Referendar-Stelle und werde schon im Februar auf die Kinder losgelassen... :-)


Abschiedsgruß von Ronja
Ronja, 1. Klasse (April 2005)


Abschiedsgruß von Jan-Marco
Jan-Marco, 1. Klasse (April 2005)


Abschiedsgruß von Malte
Malte, 1. Klasse (April 2005)

Donnerstag, September 14, 2006

Schiffbrüchig und flaschenabhängig???

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Ist das wirklich Gnade? Ja! Denn diese Requisiten sind nicht dazu da, um einen dramatischen Abschiedsbrief zu schreiben und sich anschließend von den alkoholischen Reserven eine tödliche Blutvergiftung einzuverleiben! Suizidempfehlung ist nicht das Thema dieses Cartoons! Es geht um Flaschenpost und darum, dass Gott immer Möglichkeiten für mich hat...

Mittwoch, September 13, 2006

News

Mir geht momentan der Schreibstoff flöten. Mein Leben verläuft gerade ziemlich unspektakulär, obwohl es an Spektakel an sich nicht mangelt. Aber es gibt eben die ganze Zeit nichts wirklich Neues, also nichts, was ich nicht schon beiläufig erwähnt, ausführlich dargelegt und schriftlich fixiert hätte. Da ist eben dieser altbekannte, nahezu chronische Ärger: Ärger auf die Dozenten, die Uni, das Studium, die Mathematiker, das Prüfungsamt, auf mich, auf Andreas, plus dem Ärger über den Ärger auf Andreas, Ärger auf die Zeit, meinen Berufswunsch, den Stress, meine Unlust, meine Panik, meine Gelassenheit, meine Halsschmerzen… Das übliche eben. Und Ärger kann ja sooo eine unangenehme, lästige und fiese (eben ärgerliche!) Angelegenheit sein. Na ja, alles nichts Unbekanntes. Aber, heute, heute gibt es doch etwas Neues. Denn nach einigen prüfungsamttypischen Komplikationen (*ärger*), habe ich gestern völlig zufällig (*ärger*) erfahren, dass heute die Prüfungstermine im Prüfungsamt abgeholt werden können. *freu* Und damit wird das lästige „Ich-weiß-noch-nicht-so-genau-wann’s-losgeht-,-aber-vermutlich-irgendwann-Ende-September"-Geplänkel endlich greifbar. Oder anders ausgedrückt: Das gefürchtete Grauen ist endlich zeitlich lokalisiert und damit nicht mehr ganz so fürchterlich (obwohl mir immer noch davor graut!)!

Meine Prüfungstermine:

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19.09. (Dienstag) 9°°-13°° Uhr: Deutsch (Klausur)
28. 09. (Donnerstag), 9:30-10°°Uhr: Psychologie
02.10. (Montag), 9:30-10°° Uhr: Soziologie
13. 10. (Freitag), 10°°-10:30 Uhr: ADG
16.10. (Montag), 14°°-14:20 Uhr: Deutsch
17. 10. (Dienstag), 12°°-13°° Uhr: Deutsch
23. 10. (Montag), 9:40-10°° Uhr: Mathematik
31. 10. (Dienstag), 9:40-10°° Uhr: ev. Religion

Bin total froh und erleichtert. Ich hab’ keinen einzigen Termin am Abend und keinen einzigen Tag, an dem ich zwei Prüfungen habe. Und außerdem habe ich meistens einen mehrtägigen Zeitraum zwischen den Prüfungsterminen, mal abgesehen vom 13. bis 17. Oktober. Das wird schon ein bisschen stressig, vielleicht auch ein bisschen mehr, aber wer wird auch so utopisch sein, anzunehmen, dass man hier ohne Stress davon kommt?! Also, im Großen und Ganzen ist es wirklich annehmbar! Und das Beste ist, dass ich schon im Oktober fertig werde. OKTOBER!!! *jubel* Das bedeutet, ich kann jetzt quasi sagen, dass ich im nächsten Monat mein Studium ABSCHLIEßE!!! Klingt doch gut, oder?! IM NÄCHSTEN MONAT!!! Es sind also nur noch 48 Tage! Äh,... *zittervorpanik*... Okay, man soll’s mit der zeitlichen Präzision nicht übertreiben… Allerdings bedeutet das doch auch, dass es nur noch 48 Tage bis zum folgenden Termin sind:

31. 10. (Dienstag), ab 10:01Uhr bis …: PARTY!!! :-)))

„Die Tage deines Leidens sollen ein Ende haben!“,
spricht der Herr.
(Jesaja 60, 22)

Mittwoch, September 06, 2006

Für die einen ist es ein fragmentarischer Wochenrückblick, für die anderen der längste Blog-Eintrag der Welt

Dienstag, 29. August
11:08 Uhr: Schock! Ich hab’ verschlafen! (Wenn ich spät dran bin, komme ich immer so schlecht ins Lernen rein!) Reg’ mich zuerst total darüber auf, entscheide mich dann jedoch für einen Uni- und lernfreien Tag und widme mich hingebungsvoll der Hausarbeit.

15:05 Uhr: Christa Hallenberger aus unserer Gemeinde ruft an. Sie erzählt von einem kleinen Haus, das in Oberasphe vermietet werden soll. Am Samstag können wie es uns ansehen und – wenn es uns gefällt – mieten. Bin total gespannt.

15:20 Uhr: Während ich den grünen Müll runter bringe, begegne ich Frau Preis. Sie ist über 70 Jahre alt, wohnt ebenfalls als Mieterin in unserem Haus, und (was weitaus schlimmer ist) sie kann mich nicht leiden. Zuerst bin ich davon überzeugt, dass unsere Begegnung mit ein paar freundlichen Floskeln über das Wetter beendet sein wird, aber … zu früh gefreut. Mit Entsetzen muss ich feststellen, dass sie in Kampfposition geht. Ich weiß nicht, wie sie es macht, aber obwohl Frau Preis etwa einen Kopf kleiner ist als ich, gelingt es ihr, auf mich herabzusehen. Sie ist verärgert. Es geht um die Hausordnung - wie immer! Angeblich putzen wir zu wenig! Während ich weiterhin versuche, so unschuldig wie nur irgend möglich auszusehen (Was eine echte Kunst ist, wenn man ununterbrochen mit „Schätzchen“ angeredet wird!), durchsuche ich mein Repertoire an frommen Herzenseinstellungen und Gesichtsausdrücken. Blöderweise kann ich die Visage zum Thema „Wie ich im Angesicht völlig ungerechtfertigter Beschimpfungen meinem Feind in demütiger und barmherziger Nächstenliebe auch noch die linke Backe hinhalte“ nicht finden. Alles, was auffindbar ist, ist die eher emotional geprägte, abtrünnige Geisteshaltung „Spontane Mordlust“. Hab’ mich glücklicherweise soweit im Griff, dass ich diesem Impuls nicht nachgebe.

15:35 Uhr: Wieder in unserer Wohnung. Fühle mich zutiefst gekränkt, beleidigt, beschimpft und unbeliebt. Warum mag sie mich nicht? Ich mein’, wir schenken ihr zu Weihnachten immer selbstgebackene Plätzchen! Kann sie mich da im Gegenzug nicht ein winziges bisschen in ihr Herz schließen? Ich bin aufgebracht: Wie kann sie nur…! Andererseits fühle ich mich schrecklich. Höre sie in Gedanken zu ihrem Mann sagen: „Ja, nen dicken Fisch auf’m Auto und jeden Sonntag in den Gottesdienst rennen, aber putzen können sie nicht!“ Fühl mich so unsagbar elend! Ich gehe noch mal forschend in mich, finde aber immer noch keine Liebe für Frau Preis. Fakt ist, ICH kann SIE nicht leiden! Bin erschüttert über mich selbst… und immer noch wütend. Habe drei Bedürfnisse gleichzeitig: 1. den Mietvertrag in Oberasphe unverzüglich zu unterschreiben; 2. zu putzen; 3. eine Freundin anzurufen. Tue letzteres.

17°° Uhr: Ich entdecke vierzehn kleine Fischbabys. Unser Purpurbrachtbuntbarsch-Pärchen hat sich endlich vermehrt. Jippieeee! Hoffe so sehr, dass die winzigen Fischchen die Nacht überleben.

Mittwoch, 30. August
Es sind noch 14 Fischbabys da! Ihre Eltern beschützen sie aggressiv vor den anderen Aquariumbewohnern. Die frischgebackene Familie nimmt mittlerweile 2/3 des ganzen Aquariums ein.

Donnerstag, 31. August
10°° Uhr: Gießen. Ich will drei Bücher in der Bibliothek ausleihen oder wenigstens kopieren. Aber alle Exemplare sind entweder bereits verliehen oder wurden geklaut. Na, super!

11°° Uhr: Die Sprechstunde bei meiner Prüferin in Psychologie verläuft glänzend. Die Dozentin grenzt die Themen ganz gut ein. Fasse Mut.

12:30 Uhr: Esse gemeinsam mit meinen Schwiegereltern in der Mensa zu Mittag. Während eines Gesprächs gestikuliere ich so wild, dass ich mir ein Glas mit Cola auf den Schoß kippe. Bin so erschrocken, dass ich unüberlegt aufspringe, so dass der Rest der braunen Limonade auf meinen Stuhl läuft. Bevor ich das jedoch registriere, setzte ich mich wieder hin. Ergebnis: Ich sehe von vorne und hinten aus, als hätte ich mir in die Hosen gemacht. Was soll man dazu sagen? Herzlich Willkommen in meinem Leben!

20°° Uhr: Hauskreis. Ich gehe total gerne in unseren neuen Hauskreis. Wir haben bis jetzt immer gute Gespräche und viel Spaß miteinander. Als ich zu Hause bin, beschleicht mich jedoch das bedrückende Gefühl, dass viel zu viel Unwichtiges ausgiebig diskutiert wurde, und dass das größtenteils auf meine Kappe geht. Gespräche reizen mich immer so, und ich diskutiere so furchtbar gerne… Es bedeutet: Anregungen sammeln, den eigenen Standpunkt überprüfen, erweitern, korrigieren, sich im geschickten Sprachgebrauch üben, neue Gedanken mit nach Hause nehmen usw. Einfach Spaß eben! Na ja, das bedrückende Gefühl bleibt. Bin fest entschlossen, beim nächsten Mal voller Besonnenheit zu schweigen, wissend zu nicken und mich nur zu äußern, wenn es der Erbauung dient…

23°° Uhr: Zähle die Fischbabys und komme auf 11.

Freitag, 1. September
12°° Uhr: Wohnzimmer. Wichtiges Gespräch mit Andreas. Wo wollen wir hin? Wie soll es im nächsten Jahr weitergehen? Der Austausch tut richtig gut, obwohl unsere ganze Arbeit, die wir an diesem Vormittag erledigen wollten, liegen bleibt. Na ja, man muss schließlich Prioritäten setzen. Hab’ anschließend das Gefühl, dass wir uns wieder mal ein Stück näher gekommen sind. Bin so froh, dass ich Andreas habe! Gibt es wirklich Momente, in denen mich dieser erstklassige, unheimlich gut aussehende Mann wütend macht? Hm, das muss in einem anderen Leben gewesen sein!

15:30 Uhr: Bin total gelassen! Eigentlich schon seit Montag. Das wird schon alles. Prüfungen sind wie Theaterspielen, sage ich mir. Ich muss einfach nur eine Rolle spielen. Ich werde als „unheimlich kluge und gebildete Christine“ vor meine Prüfer treten und so tun, als ob ich mich richtig gut auskenne. Und sollte das nicht der Fall sein (Was sehr wahrscheinlich ist!), werde ich improvisieren. Hauptsache cool bleiben und immer zuversichtlich lächeln! Finde, das ist ein guter Plan! Es wird alles gut!

20.15 Uhr: Ich finde mich vor'm Fernsehen wieder, wo ich im Begriff bin, mir die letzte Folge von „Verliebt in Berlin“ in Spielfilmlänge anzusehen. Nicht, dass ich so etwas mag! Nur um das klarzustellen. Aber ich wollte schon immer mal wissen, wie so eine Telenovela ausgeht. Die Sendung ist wirklich schlecht. So schlecht, dass ich nicht weggucken kann. Finde es total peinlich – die Sendung und die Tatsache, dass ich sie mir ansehe. Ich beschließe beschämt, niemals irgendjemandem von diesem nahezu unverzeihlichen Ausrutscher in der Geschichte meines Fernsehkonsums zu erzählen.

23:45 Uhr: Kann kaum einschlafen. Bin wegen morgen total aufgeregt. In Gedanken platziere ich schon den Weihnachtsbaum in unserer neuen Wohnung und überlege voller Vorfreude, wie ich mein neues (unheimlich großes) Büro einrichte. Andreas macht mich behutsam darauf aufmerksam, dass wir das Haus noch nicht mal gesehen, geschweige denn gemietet haben. Aber ich bin völlig davon überzeugt, dass nichts schief gehen kann. Es klingt einfach zu perfekt. Andreas ist bezüglich unserer neuen Adresse in spee viel zu sachlich und distanziert.

Samstag, 2 September
9°° Uhr: Oberasphe. Wohnungsbesichtigung. Während Andreas lauter kluge, vorausschauende und sachliche Fragen stellt, laufe ich durch die Wohnung und projiziere unsere Möbelstücke und die sonstige Einrichtung gedanklich in die fremden vier Wände. Mich beschäftigen hauptsächlich die Fragen: Kann ich mir vorstellen, hier zu wohnen? Kann ich diese Wohnung gemütlich und ansprechend einrichten? Ich gebe mir ganz viel Mühe, aber es klappt nicht. Trotz verschiedener Herangehensweisen kommen Andreas und ich zu dem übereinstimmenden Ergebnis, dass das Häuschen trotz vieler Vorzüge nicht für uns geeignet ist. Es müsste zuviel renoviert werden, wir müssten eine Küche kaufen, es gibt zuwenig Abstellplatz, die Kosten wären zu hoch! Ich bin total enttäuscht. Sind wir zu anspruchsvoll? Werden wir jemals aus Simtshausen raus kommen? Wer viel träumt, stürzt tief! :-(

11:45 Uhr: Lerngruppe. Wie so oft haben wir uns zu viel vorgenommen und schaffen nur die Hälfte. Ab 19:30 Uhr haben meine Freundin und ich das Gefühl keinen klaren Gedanken mehr fassen zu können.

22°° Uhr: Entdecke nur noch 8 kleine Purpurbrachtbuntbarsche in meinem Aquarium. Erhöhe für die anderen Fische die Futterration, damit sie die Kleinen in Ruhe lassen.

23:30 Uhr: Mein Schwager Chrissi besucht uns. Er schläft bei uns, um morgen früh mit uns nach Wehrda zum Christus-Tag zu fahren. Freu mich immer, wenn er da ist.

Sonntag, 3. September
9:25 Uhr: Wir stolpern eilig aus dem Haus (Drei Leute und ein Bad sind eine echte Herausforderung!) und fahren so schnell es geht nach Wehrda in die Evangeliumshalle, wo der Christus-Tag stattfindet. Als wir die fast voll besetzte Evangeliumshalle betreten, bin ich irgendwie überwältigt. Es ist schon so lange her, seit ich das letzte Mal da war. Ich muss an all die Jungscharfreizeiten in Sonneck denken und an die Pfingstjugendtreffen, die wir mit unserem Jugendkreis dort verbracht haben. Fühle mich plötzlich uralt, obwohl mir die Tatsache, dass ich noch ziemlich jung bin, durchaus bewusst ist. Ich treffe im Laufe des Tages viele Leute: Freunde und Bekannte aus unserer alten und neuen Gemeinde, Leute von der Uni, Verwandte usw. Fühl’ mich irgendwie gut aufgehoben. Es ist schön, ein Teil von etwas zu sein. Danke Gott, für alle diese Menschen.

19:15 Uhr: Wieder zu Hause. Ivonne ruft an und berichtet, was sie alles geschafft und gelernt hat. Ich spüre, wie die Panik langsam wiederkommt. Ich hab’ heute nichts geschafft!!! Rede mir wieder Mut zu! Aber irgendwie klappt es nicht so richtig.

Montag, 4. September
Ich liebe Deutsch, aber Textlinguistik??? Was hab ich mir mit diesem Thema bloß eingebrockt. Angst und Panik kehren vollständig zurück. Gelassenheit, wo bist du??? Obwohl ich gerade Deutsch lerne, muss ich ständig an Mathe denken. Mathe raubt mir noch den letzten Nerv. Und dann diese naiven Menschen, die immer sagen: „Mathematik für die Grundschule kann doch nicht so schwer sein!“ Also, jetzt mal für alle: Wir lernen nicht das eins plus eins gleich zwei ist, sondern, WARUM eins plus eins gleich zwei ist. Nicht, dass ich das wüsste... Vielleicht ist genau das mein Problem…

Dienstag, 5. September
15:20 Uhr: Hatte bis eben Lerngruppe. Puh, bin ziemlich erschöpft. Ab wann tritt ein eigentlich der Zustand ein, in dem man nicht mehr denken kann? Hab’ das Gefühl, als würde an meiner Stirn ein großes, rot blinkendes Schild hängen mit der Aufschrift: Besetzt! Mathe geht mir nicht mehr aus dem Kopf (Aber rein geht es tragischerweise auch nicht!)! Warum hab' ich bloß dieses Fach studiert? Bin fix und fertig. Lenke mich mit einem Blog-Eintrag ab, der dann viel zu lang wird. Aber, was raus muss, muss raus…

21:30 Uhr: Zähle noch 6 kleine Purpurbrachtbuntbarsche! Haltet euch tapfer, Jungs!

Mittwoch, 6. September
9:40 Uhr: Bin verzweifelt. Mein Computer bzw. mein analoger, DSL-ferner Internetzugang ärgern mich (Mal wieder!). Irgendwie weigern sie sich, die komplette Seite hochzuladen. Das Ergebnis ist, dass ich diesen Eintrag nicht so kreativ gestalten kann, wie ich will. Oder besser gesagt, ich kann ihn gar nicht gestalten. *vorwutschnaub* Poste ihn trotzdem!

Freitag, September 01, 2006

Ein Gebet - nicht von mir, aber trotzdem aus meinem Herzen!

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Ich bitte dich, Herr,

um die große Kraft
diesen kleinen Tag zu bestehen,

um auf dem großen Weg zu dir
einen kleinen Schritt weiterzugehen.

(Ernst Ginsberg)