Das Herz im Spiegel

Mittwoch, Januar 31, 2007

Drei Monate in 13 Punkten

Ich kann's einfach nicht fassen: Die drei super-duper-Entspannungsmonate (So war es zumindest geplant *seufz*...) zwischen Erstem Staatsexamen und Dienstantritt als "Lehrerin im Vorbereitungsdienst (!) sind RUM, AUS und VORBEI! Diese Tatsache löst völlig unterschiedliche Gefühle in mir aus: Bedauern, Erleichterung, Vorfreude, Aufregung, Panik... Alles irgendwie ein bisschen... Eben so eine abgefahrene Mischung, die mich dazu bringt, rastlos in unserer Wohnung hin und her zu laufen. Aber gut, da ich diesen Blog so lange vernachlässigt habe *schäm* (Gilt es, wenn ich als Entschuldigung für die Missachtung meiner Homepage anführe, dass ich schlichtweg keine Zeit für Internetaktivitäten hatte???), fange ich lieber mal von vorne an: Die letzten Wochen lassen sich "knapp" (Begriffsverwendung erfolgt nach der spezifischen Auslegungsweise von Christine E. aus S.) in die folgenden Erfahrungen und Erkenntnisse zusammenfassen (Wobei die Nummerierung zufällig und nicht nach Priorität vorgenommen wird!):

1. Ja, ich gebe es laut, deutlich und in aller Öffentlichkeit zu: Andreas hatte Recht und ich Unrecht! Nach den Prüfungen fällt man in ein riesiges Loch, das bis zum Überlaufen mit Kopfschmerzen, Elanlosigkeit, Müdigkeit und Genervtsein gefüllt ist.

2. Die Herausforderung des Zeitmanagements ist umso größer, je mehr freie Zeit zur Verfügung steht, oder, anders formuliert: Viel Freizeit kann sehr stressig sein! Aber nichts desto trotz auch abwechslungsreich, erheiternd, unterhaltsam, zwanglos und kommunikativ.

3. Computer sind nicht nur nicht deine Freunde, sie versuchen auch noch andere innige Freundschaften zu gefährden, indem sie zuerst dich und dann auch die freundschaftliche Beziehung an die Grenzen der Belastbarkeit bringt und im schlimmsten Fall sogar darüber hinaus. Anleitung zur Selbsterfahrung: Erstelle mit einer engen Freundin unter Zeitdruck eine Powerpoint-Präsentation für den 50. Geburtstag deiner Schwiegermutter. Borge dir dazu 3 Laptops von Freunden und achte bei deiner Wahl darauf, dass einer der Computer nicht über die Programme verfügt, die du benötigst und ein anderer nichts von dem speichert, was ihr stundenlang erarbeitet habt. Platziere dieses Experiment in die Adventszeit, gönne dir nur eine Pause, wenn du zwangsläufig einen anderen Termin hast, und der Erfolg eines bösartigen Computers ist (fast) garantiert! Aber eben nur fast! Wie gut dass Freundschaft letzten Endes triumphiert! ;-)

4. 24 Jahre alt werden bzw. sein ist eine schöne, empfehlenswerte Erfahrung. Werde versuchen, dieses Ereignis an meinem nächsten Geburtstag zu wiederholen!

5. Smalltalk!!! Diese Diktatur der Höflichkeit mit Menschen, die man von früher kennt, aber seit circa 5 Jahren nicht gesehen hat, kann zu katastrophalen Verbalreaktionen meinerseits führen... Um mal ein beliebiges Beispiel zu nennen: "Immer wenn ich Hühner sehe, muss ich an dich denken!" (Habe ich das wirklich laut gesagt???)

6. Es gibt diese gesegneten Augenblicke im Leben, in denen man in plötzlicher Klarheit erkennt, dass es einen roten Faden gibt, den Gott liebevoll und fürsorglich durch dein Leben zieht. Diese Erfahrung kam im Dezember per Post, als mir in einem Brief mitgeteilt wurde, dass ich einen Referendariatsplatz im Landkreis Marburg-Biedenkopf bekomme. Die Tatsache, dass meine Ausbildungsschule in Wetter ist, lässt den roten Faden geradezu aufdringlich purpurrot blinken!

7. Gesunde Erhrung neu definiert: Schmelzkäse ist böse und Balaststoffe sind... *thumps up* !!!

8. Abschalten neu definiert: Querflöte spielen! NICHT Querflöte denken! Gehört deshalb zu den wesentlichen Lektionen der letzten Wochen, weil sie eventuell dazu beitragen könnte, dass ich möglicherweise doch noch ein zumutbarer Musiker werde!

9. Freiheit neu definiert: Golf III, rot, 11 1/2 Jahre alt, 60 PS plus Schminkspiegel auf der Fahrerseite ;-)

10. Erwachsensein neu definiert: Fahre mit deinem EIGENEN Auto (sponsered by Ändy! *grins*) völlig allein und selbstständig durch die halbe Bundesrepublik nach Lübeck. Male dir währenddessen die Tatsache vor Augen, dass du 5 Tage später den Beitrag für deine EIGENE Krankenversicherung von deinem EIGENEM selbstverdienten Geld bezahlen wirst, und dich wird ein überwältigendes Gefühl von strapazierfähiger Mündigkeit erfüllen. Aber Achtung!!! Diese Erfahrung ist gefährdet, wenn du dir den gegebenen Umstand ins Gedächtnis rufst, dass du nur zwei Wochen später wieder in die Primarstufe eingeschult wirst.

11. Mutmachen neu definiert: "Christine, das Referendariat sind zwei schreckliche und total anstrengende Jahre, aber man überlebt sie!" (Zitat einer Grundschullehrerin)*schluck*

12. Gott redet nicht nur methaphorisch. Trotz vieler Bemühungen seine Äußerungen als ein kompliziertes Gefüge von Symbolen zu verstehen, kann ich mich dem Eindruck nicht entziehen, dass Gott entgegen aller Erwartungen (Und Hoffnungen?!) manchmal SEHR wörtlich zu verstehen ist. Man beachte die Jahreslosung: "Siehe, ich will ein Neues schaffen!" Das Jahr ist noch nicht sehr alt und trotzdem hat und wird sich mein Leben in vielerlei Hinsicht völlig ändern: Vom Studenten zum Beamten auf Widerruf, vom Zugfahrer zum stolzen Golfbesitzer, vom Geld-Koster zum Verdiener (Ich erlaube es mir mal, mich trotz Steuerklasse 5 als solchen zu bezeichnen... *heul*), vom Simtshäuser zum Wetteraner (Hatte ich schon erwähnt, dass wir im März endlich umziehen? *jippie*) Obwohl das alles sehr harmlos und unspektakulär klingen mag, handelt es sich dabei doch um starke Eingriffe in meinen Alltag, die gleichermaßen aufregend und spannend wie auch ein klitzekleines bisschen beängstigend sind. Schließlich kann ich doch noch nicht so richtig abschätzen, was da alles auf mich zukommt. Und, na ja, ich gebe es ungern zu, aber ich fühle mich sehr zu dem Boden unter meinen Füßen hingezogen... Tja, morgen geht's los! Morgen wird's ernst. Morgen erklimme ich die ersten seichten Hügel, die harmlosen Vorläufer der ungestümen Berge der Arbeitswelt. Willkommen in der Realität! Morgen...

13. Und jetzt noch eine letzte wichtige Erkenntnis: Vorfreude ist die schönste Freude! Es sind nur noch 8 Monate und 2 Tage bis zu den OSTERFERIEN *jubel*

Jahreslosung 2007